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Ein Dachs in der Brauerei

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Brauerei und Gasthof „Zur Sonne“ nutzt den Dachs:
Energieeffizienz als Wettbewerbsfaktor

Die Brauereien in Deutschland stehen unter einem teilweise massiven Kostendruck. Steigerungen gab es bei allen Roh- und Betriebsstoffen. Aber auch die Energieversorgung wird zunehmend ein Faktor, der über die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens entscheidet. Der bayerische Gasthof „Zur Sonne“ mit angeschlossener Brauerei nutzt seit 2012 ein Dachs-Miniblockheizkraftwerk von SenerTec für die eigene Energieversorgung. Die Anlage liefert Strom fürs Brauen und Wärme für den Gastbetrieb. Im Frühjahr dieses Jahres hat das Unternehmen die alte KWK-Anlage durch eine leistungsstärkere ersetzt, um den gestiegenen Stromkosten noch wirksamer zu begegnen.

 Regionalität und Tradition werden geschätzt – gerade bei Bierspezialitäten. Das ist auch das Erfolgsgeheimnis hinter dem Gasthof mit der angeschlossenen Brauerei „Zur Sonne“ im bayerischen Bischberg. Seit 1856 befindet sich das Unternehmen im Familienbesitz der heutigen Betreiber. Küchenmeister Peter Schuhmann hat in den vergangenen Jahren gemeinsam mit seiner Frau den gastronomischen Betrieb kontinuierlich ausgebaut. Kulinarisch hat er die Speisekarte von dem klassischen Angebot eines Landgasthofs weiterentwickelt und bietet heute eine große Bandbreite an regionalen Spezialitäten an. Fisch, Wild und saisonale Produkte aus dem Umland spielen dabei eine große Rolle und markieren den Anspruch an eine besonders nachhaltige Wirtschaftsweise.

Ein wichtiger Faktor für den Erfolg des Gasthofs ist zudem das in der angeschlossenen Brauerei produzierte Bier, für das die Gastronomie ein wichtiger Absatzort ist. Die fünf Biersorten, die Braumeister Christian Schuhmann, der Bruder von Peter Schumann, herstellt, werden neben dem Gasthof und dem im Sommer geöffneten Biergarten lediglich in einem regionalen Umkreis von rund 18 Kilometern vermarktet.

Die kleine Brauerei ist modern ausgestattet und produziert pro Jahr zwischen 7000 und 8000 Hektoliter Bier. Dabei entstehen fünf verschiedene Biersorten. Das am meisten verkaufte Bier ist der „Urtyp Hell“, ein Lagerbier mit strohgelber Farbe und einer ausgewogenen und feinen Kombination aus Malzsüße und Hopfenbittere. Daneben gibt es das fruchtaromatische obergärige Vollbier „Sonne Weiße“, ein vollmundiges, weiches Vollbier namens „Zunft Trunk“ sowie das hopfenbetonte „Sonnen Pils“. Hinzu kommt mit dem „Sonnenbock“ ein klassisches Bockbier, das nur saisonal hergestellt wird. Selbstverständlich arbeitet die Brauerei zur Sonne streng nach dem deutschen Reinheitsgebot.

Durchgehende Modernisierung der Brauerei
Um bei der Bierproduktion so effizient wie möglich zu arbeiten, investieren Schuhmanns fortlaufend in die Modernisierung der Anlagen. Im Jahr 2000 stand die Modernisierung des Gär – und Lagerkellers an, 2010 folgte die Sudhausautomatik und 2014 der Flaschenkeller, sodass er nun von einer Person bedienbar ist. Im Jahr 2019 erfolgte der Umbau der alten direktbefeuerten Sudpfanne in eine moderne mit Dampf beheizte Sudpfanne, wodurch 40% weniger Co2 Ausstoß erreicht werden konnten. In einem ausgeklügelten Energiekonzept nutzt die Brauerei die Abwärme von Kühlgeräten, um das Wasser für die verschiedenen Produktionsschritte vorzuwärmen. Die Leitungen und der Dampfkessel sind effektiv isoliert, darüber hinaus sind die Anlagen auf einem kleinen Raum so angeordnet, dass Abwärmeverluste vermieden werden. Die zunehmende Digitalisierung aller Anlagenbestandteile und der Prozesse ermöglicht ein gutes und durchgehendes Monitoring des Energieverbrauchs.

Energieerzeugung nach dem KWK-Prinzip
Doch so effizient die Energie in dem Betrieb auch eingesetzt wird: Gasthof und Brauerei sind generell besonders energiehungrig. Der Energiebedarf ergibt sich dabei aus der Größe des Unternehmens. Der gesamte Betrieb erstreckt sich auf einer Grundfläche von 450 Quadratmetern. Darauf sind die Gaststätte, die Gästezimmer des Gasthofs mit insgesamt 37 Betten, die Küche und die Brauerei mit Flaschenabfüllung untergebracht. Durch die Raumheizung sowie die technischen Anlagen hat der Betrieb einen gleichermaßen hohen Bedarf an Strom und Heizwärme. Der Strombedarf des Gasthofs und der Brauerei Zur Sonne liegt bei ca. 165.000 Kilowattstunden pro Jahr, der jährliche Wärmebedarf bei 419.000 Kilowattstunden.

„Energieeinsparung war für uns immer schon ein bedeutendes Thema“, erklärt Christian Schuhmann. Diese beginnt bereits bei der Energieproduktion. Für eine möglichst effiziente Versorgung mit Strom und Wärme entschied er sich daher gemeinsam mit seinem Bruder für die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). „Ein befreundeter Brauer hat mich darauf aufmerksam gemacht und mir von der Art der Energieversorgung vorgeschwärmt“, erinnert er sich. „Ich finde eine solche Lösung, die in einem Schritt zwei Energieformen herstellt und damit das Klima schont, sehr gut.“

Denn Kraft-Wärme-Kopplung bedeutet, dass Strom und Wärme gleichzeitig produziert werden. Damit wird der genutzte Energieträger so effizient wie möglich eingesetzt. Bei der Anlagentechnik wählten die Brüder ein Blockheizkraftwerk des Typs Dachs von SenerTec. Die erste Anlage wurde im Jahr 2012 installiert und hatte eine elektrische Leistung von knapp 5,5 Kilowatt und eine thermische Leistung von rund 15 Kilowatt. So konnte der Dachs pro Jahr 39.000 Kilowattstunden Strom und 90.615 Kilowattstunden Wärme liefern und rund 25 Prozent des Energiebedarfs von Gasthof und Brauerei abdecken.

Nach dem KWK-Prinzip treibt in dem Blockheizkraftwerk ein Motor zunächst einen Generator an, der den Strom erzeugt. Mithilfe eines Wärmetauschers lässt sich die dabei entstehende Abwärme des Motors auf den Wärmeträger Wasser übertragen und somit auskoppeln. Sie wird in einen mit Wasser gefüllten Pufferspeicher geleitet und steht dann als Heizenergie zur Verfügung.

Die Wärme des Dachs fließt in die Wärmeversorgung des Gasthofs und der Brauerei ein. Die Betreiber nutzen sie, um die Gasträume und Gästezimmer zu beheizen. Auch die privaten Bereiche sind in das Wärmenetz eingebunden. Der Wärmebedarf ist dabei in den vergangenen Jahren zusätzlich gestiegen. Die Betreiber nutzten die Corona-Pandemie, um einen bisherigen Lagerbereich zu einem neuen Gastraum umzugestalten. So verfügt der Gasthof „Zur Sonne“ nun über drei Gasträume für insgesamt 120 Gäste. Das neu entstandene „Bräustübla“ bietet über eine integrierte Glasfront einen Einblick in den Brauereibereich.

Aufgrund der bislang sehr guten Erfahrungen mit dem SenerTec Dachs, des gestiegenen Energiebedarfs sowie der gesteigerten Stromkosten entschieden sich Peter und Christian Schuhmann dazu, das alte Modell im Frühjahr 2023 gegen einen neuen Dachs des Typs 20.0 auszutauschen. Auch er nutzt das hoch effiziente Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung, zeichnet sich allerdings durch eine deutlich größere Leistungsstärke aus. Thermisch erzielt er eine Leistung von 29 bis 44 Kilowatt, was ausreicht, um Objekte mit einer Grundlast von mehr als 300.000 Kilowattstunden Wärmebedarf zu versorgen.

Strom für die Brauerei
Der große Vorteil des Blockheizkraftwerks liegt in dem selbst erzeugten Strom. Hier bietet die neue Anlage eine elektrische Leistung von 10 bis 20 Kilowatt. Pro Jahr ist somit eine Strommenge von bis zu 60.000 Kilowattstunden zu erwarten, die zu 80 Prozent in der Brauerei eingesetzt werden soll. „Mit dem neuen Dachs können wir rund ein Drittel unseres Strombedarfs abdecken“, erklärt Christian Schuhmann. „Ich erwarte mir durch den selbst produzierten Strom hohe Einsparungen.“ Die genaue Höhe lässt sich nicht beziffern, sondern hängt von der weiteren Entwicklung der Strompreise ab. Generell war die starke Steigerung der Stromkosten einer der ausschlaggebenden Punkte für die Anschaffung der neuen Anlage. Denn grundsätzlich ist der selbst erzeugte und selbst verbrauchte Strom deutlich günstiger als der, den die Betreiber vom Energieversorger beziehen. Die Eigenproduktion macht die Stromkosten besser kalkulierbar und lohnt sich durch die Förderung über das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) zusätzlich. Für jede erzeugte Kilowattstunde KWK-Strom, die Christian und Peter Schuhmann im eigenen Betrieb selbst verbrauchen, erhalten sie für bis zu 30.0000 Vollbenutzungsstunden einen gesetzlich festgeschriebenen KWK-Zuschlag von 8 Cent. Überschussstrommengen, die nicht mehr im eigenen Betrieb genutzt werden können, werden in das öffentliche Netz eingespeist. Für diesen Strom erhalten die Schuhmanns dann entsprechend einen KWK-Zuschlag in Höhe von 16 ct/kWh.

Voraussetzung für eine möglichst hohe Kostenersparnis ist dabei, dass die Anlage nach Plan läuft. „Die Laufzeit ist das Wichtigste“, so Christian Schuhmann. Denn Strom entsteht immer nur dann, wenn die Anlage in Betrieb ist. Der hohe Wärmebedarf, den die Gasträume und der Gasthof aufweisen, ist daher ideal, um diese möglichst langen Laufzeiten zu ermöglichen.

Vermiedene CO2-Emissionen als Zusatznutzen
Neben allen Kosten- und Effizienzvorteilen zahlt sich der Einsatz des Dachs Blockheizkraftwerks in der Brauerei „Zur Sonne“ zusätzlich für das Klima aus. Denn im Gegensatz zur getrennten Erzeugung von Strom im zentralen Großkraftwerk und der Wärmeproduktion vor Ort, entfallen Abwärme- und Transportverluste. So lässt sich die Menge an CO2-Emissionen beziffern, die der Dachs im Vergleich zur getrennten Erzeugung verhindert. Diese lag bei der alten, kleinen Anlage bereits bei rund 236,6 Tonnen CO2 über die gesamte Betriebszeit. Bei der neuen Anlage, dem Dachs 20.0, ist pro Jahr mit einer rechnerischen Vermeidung von  rund 41,2 Tonnen CO2 zu rechnen. Setzt man wieder die vormalige Laufzeit von 11 Jahren an, so erreichten sie bis zu 453 Tonnen CO2-Einsparungen.

Durch diesen Aspekt des Klimaschutzes passt der Dachs noch einmal besser zu dem nachhaltigen Ansatz, den Peter und Christian Schuhmann beim Betrieb des Gasthofs und der Brauerei „Zur Sonne“ verfolgen. Bei den angebotenen Speisen setzen sie vorwiegend auf Produkte aus der Region. Für die Brauerei nutzen sie Malz aus einer nahegelegenen Mälzerei in Bamberg. Die Biere sind durch das begrenzte Vertriebsgebiet selbst regionale Produkte. Und der beim Brauen entstehende Treber wird von Landwirten in der Region als Viehfutter verwendet.

Traditionsunternehmen mit moderner Energieversorgung
Insgesamt stellen die Brauerei und der Gasthof „Zur Sonne“ auf beeindruckende Art und Weise unter Beweis, wie der Betrieb und die Energieversorgung einer regionalen und heimatverbundenen Brauerei heute aussehen kann. Mit der Gastronomie schafft die Brauerei ihren eigenen Absatzmarkt, den sie um das regional klar umrissene Vertriebsgebiet ergänzt. Um die Betriebskosten im Griff zu halten, nutzt sie mit der Kraft-Wärme-Kopplung eine bekannte und etablierte Technologie in optimaler Weise. Dabei wird deutlich, welche wirtschaftlichen Vorteile die KWK im gewerblichen Bereich erschließt und wie sie ganz nebenbei auch noch das Klima durch den hoch effizienten Einsatz des Brennstoffs und die damit verringerten CO2-Emissionen schützt.